{"id":461,"date":"2017-06-30T07:46:57","date_gmt":"2017-06-30T11:46:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/?p=461"},"modified":"2017-06-30T07:46:57","modified_gmt":"2017-06-30T11:46:57","slug":"15-mai-fortsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/2017\/06\/30\/15-mai-fortsetzung\/","title":{"rendered":"15. Mai (Fortsetzung)"},"content":{"rendered":"<p>Heute morgen (Montag) dann Fr\u00fchst\u00fcck, nicht in der <em>casa particular<\/em>, wo Maria uns freundlicherweise einen Kaffee (gratis) servierte, sondern auf der La Zanja. Erst gingen wir zu der kleinen Stube, die uns gestern so gefallen hatte. Dort hatten sie zwar Eier f\u00fcr ein Omelette, aber weder Brot noch Gem\u00fcse. So schickte uns die Chefin \u00fcber die Stra\u00dfe zu einer \u00e4hnlichen kleinen Cafeteria, wo uns sehr freundlich geholfen wurde. Wir bekamen Spiegelei, Omelette, einen Teller mit Streifen von gr\u00fcnem Salat und Wei\u00dfkohl (<em>col<\/em>), den wir mit Essig und Salz nachw\u00fcrzten. Dazu gab es ein weiches Br\u00f6tchen. Insgesamt nicht schlecht, frisch und so ziemlich was wir erwartet hatten. Der klitzekleine Kaffee war ausgezeichnet, Bedienung wirklich lieb, und der Preis ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte von dem was wir in der Touristenabsteige gegen\u00fcber am Tag zuvor bezahlt hatten. Die Preise waren hier in Nationalpesos angegeben. Die Bedienung rechnete unsere Zeche in Touristenpesos um und ging zur Nachbarin um unser Wechselgeld zu holen. Wir fragten sie noch nach der n\u00e4chsten Bank, und sie schickte uns dann mit einem \u201eFelicitaciones\u201c auf den Weg. Das \u00fcberraschte uns. Wir verstanden nicht, wozu sie uns gratulierte. Vielleicht war es der Muttertag. Ich spekulierte, dass sie mithilfe der Santeria in unsere Herzen geschaut und dort entdeckt hatte, dass wir eine betr\u00e4chtliche H\u00fcrde genommen hatten. Wir waren nicht mehr so durcheinander wie am Morgen, als wir unausgeschlafen und ern\u00fcchtert mit dem Gef\u00fchl aufgewacht waren, nicht mehr zu wissen, was wir hier eigentlich wollten. Anders als in Indien hatten wir hier niemanden, der uns an die Hand nahm und sich um alles k\u00fcmmerte. Wir f\u00fchlten uns von der Verantwortung f\u00fcr unsere eigene Zufriedenheit \u00fcberw\u00e4ltigt. Dann waren wir in dieser kleinen Enklave menschlich reicher Beziehungen gelandet, in der man miteinander gro\u00dfz\u00fcgig und freundlich umging und einander aushalf. Wir bezahlten einheimische Preise und f\u00fchlten uns nicht mehr blo\u00df als wandernde Dollarscheine. Havanna hatte uns die T\u00fcr einen Spalt ge\u00f6ffnet und uns ein anderes Gesicht gezeigt. Vielleicht deshalb die \u201e<em>felicitaciones<\/em>\u201c: Gl\u00fcckwunsch! Ihr seid angekommen.<\/p>\n<p>El Centro de Habana, zwischen Altstadt und Vedado, hat \u2013\u00a0auf den zweiten Blick \u2013eine unglaublich vielf\u00e4ltige Architektur. Die Geb\u00e4ude sind zum gro\u00dfen Teil bewohnt, zum Teil neu renoviert, zum Teil billig und geschmacklos aufrechterhalten und umgebaut. Dazwischen gibt es unbewohnte Ruinen. So ein wenig wie Berlin vor der Wiedervereinigung.<\/p>\n<p><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4277.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4277.jpg\" alt=\"IMG_4277\" class=\"size-full wp-image-463 alignleft\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4279.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4279.jpg\" alt=\"IMG_4279\" class=\"size-medium wp-image-464 alignleft\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4280.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4280-225x300.jpg\" alt=\"IMG_4280\" class=\"size-medium wp-image-465 alignleft\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4280-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4280.jpg 384w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4288.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4288.jpg\" alt=\"IMG_4288\" class=\"size-medium wp-image-466 alignleft\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4289.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4289.jpg\" alt=\"IMG_4289\" class=\"size-medium wp-image-467 alignleft\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4290.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4290-225x300.jpg\" alt=\"IMG_4290\" class=\"size-medium wp-image-468 alignleft\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4290-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4290.jpg 384w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4297.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4297-225x300.jpg\" alt=\"IMG_4297\" class=\"size-medium wp-image-469 alignleft\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4297-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4297.jpg 384w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4298.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4298.jpg\" alt=\"IMG_4298\" class=\"size-medium wp-image-470 alignleft\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4308.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4308.jpg\" alt=\"IMG_4308\" class=\"size-medium wp-image-471 alignleft\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die T\u00fcren und Fenster sind vielfach offen und man sieht das h\u00e4usliche Treiben in den Eing\u00e4ngen und H\u00f6fen. Menschen lehnen sich aus ihren Fenstern und \u00fcber ihre Balkone und schauen auf die z. T. engen Stra\u00dfen herab, in denen Menschen jeden Alters, Geschlechts und Hautfarbe herumlaufen, stehen oder sitzen, allein oder in Gruppen. Trotzdem kommt es einem irgendwie leer vor. Die Stra\u00dfen, Gehwege und Rinnen sind gekehrt. M\u00fcll sammelt sich oft an den Stra\u00dfenecken an, bevor er auf einen Laster geschaufelt und abgekarrt wird. Es sieht dennoch alles reingefegt aus, ohne deshalb sauber zu sein. Mehr wie eine Abwesenheit, dessen was man angesichts der allgemeinen Armut erwarten w\u00fcrde. Es liegt aber wenig herum. Keine Plastikt\u00fcten oder Bananenschalen. Irgendwie leer. Es gibt kaum Stra\u00dfenhunde und nat\u00fcrlich laufen hier die K\u00fche nicht wie in Indien frei herum. Wir h\u00f6ren ab und zu einen Hahn kr\u00e4hen. \u00dcberall gibt es Alkohol zu kaufen und man trinkt hier auf der offenen Stra\u00dfe. Heute Morgen sahen wir in einem Eingang einen Betrunkenen, der auf einer Treppe ausgebreitet seinen Rausch ausschlief. Es ist ein bisschen wie in der anti-kommunistischen Fabel von der Animal Farm. In den runtergekommenen H\u00e4usern der vertriebenen unternehmerischen Mittelschicht wohnen Leute, die die H\u00e4user nicht gebaut haben und von denen die meisten kein Geld haben, um diese b\u00fcrgerlichen H\u00e4user stilgem\u00e4\u00df instand zu halten oder sie standesgem\u00e4\u00df zu m\u00f6blieren. Eine Gesellschaft von unterprivilegierten Hausbesetzern. Alles scheint irgendwie im Wartezustand. Mittlerweile geht das Leben weiter. Die Leute kommen mehr schlecht als recht zurecht. Es fehlt an allem. Wohl denen, die von ihren Verwandten im Ausland unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<div id=\"attachment472\" style=\"width: 266px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4260.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment472\" loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4260.jpg\" class=\"wp-image-472 size-full\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment472\" class=\"wp-caption-text\">Plaza Vieja. Mitte rechts: David Guerra aus Boston und Miriam.<\/p><\/div>\n<p>Am Nachmittag trafen wir uns mit David Guerra, Exilkubaner, Rechtsanwalt und nebenberuflicher Kurator in Boston. Unser Treffpunkt war ein Brauereiausschank auf der Plaza Vieja, im elegant renovierten \u00f6stlichen und \u00e4ltesten Teil der Altstadt. David hatte seinerzeit zwischen Harvard und Kuba w\u00e4hlen m\u00fcssen und durfte wegen seiner Entscheidung f\u00fcr Harvard sieben Jahre nicht in sein Heimatland zur\u00fcckkehren. Als Einzelkind f\u00fchlte er sich seiner Mutter gegen\u00fcber jahrelang besonders schuldig. Vielleicht bem\u00fcht er sich deshalb so r\u00fchrig um den amerikanisch-kubanischen Kulturaustausch. David beantwortete geduldig unsere z. T. sehr allgemeinen Fragen \u00fcber die kubanischen Verh\u00e4ltnisse und gab uns etliche konkrete Empfehlungen. Er sprach von den Bem\u00fchungen der kubanischen Regierung um den Erhalt und den Wiederaufbau des \u00e4ltesten Stadtteils von Havanna. Er betonte dabei, dass die Regierung sich darum bem\u00fche, die Bewohner dieses Stadtteils nicht zu vertreiben. Dieselben Leute ziehen nach der Renovierung wieder in dieselben Wohnungen ein und ihre Kinder besuchen weiterhin dieselben Schulen. So soll Alt-Havanna eine lebende Stadt bleiben. Wie wir sp\u00e4ter bemerkten, bezieht sich diese lobenswerte und kostspielige Initiative nur auf den touristisch erschlossenen Teil Alt-Havannas, nicht auf den \u00e4rmeren Stadtbezirk, der sich s\u00fcdwestlich an die Altstadt anschlie\u00dft. Die Regierung nimmt die Mittel f\u00fcr ihre aufwendigen Renovations- und Neubauprojekte aus der z. T. direkt betriebenen, z.T. indirekt besteuerten Tourismusindustrie. Der Tourismus ist die Hauptquelle f\u00fcr das devisenarme Land. Ohne Hilfe aus dem Ausland k\u00f6nnen weder die Kubaner noch der kubanische Staat wirtschaftlich \u00fcberleben. Seit dem Fall der Sowjetunion fehlt es an zuverl\u00e4ssiger ausl\u00e4ndischer Beihilfe f\u00fcr den Staat. Das Chaos in Venezuela, von dessen Erd\u00f6llieferungen Kuba abh\u00e4ngig ist, hat ebenfalls unmittelbare Folgen. Die Planwirtschaft funktioniert hier ebenso schlecht wie in anderen sozialistischen L\u00e4ndern. Das z. T. immer noch anhaltende US Embargo, die ungekl\u00e4rte politische Zukunft, aber vor allem der Mangel an Devisen hindert Investoren aus dem Ausland, sich ernsthaft in Kuba zu engagieren. In der Zwischenzeit florieren die grauen M\u00e4rkte. Durch den Tourismus und die damit verbundene zweite W\u00e4hrung, der CUC oder konvertible Peso (<em>divisas<\/em>), entsteht eine neue Mittelschicht. Ein Taxiunternehmer verdient hier das Vielfache eines Universit\u00e4tslehrers oder eines Neurologen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen (Montag) dann Fr\u00fchst\u00fcck, nicht in der casa particular, wo Maria uns freundlicherweise einen Kaffee (gratis) servierte, sondern auf der La Zanja. Erst gingen wir zu der kleinen Stube, die uns gestern so gefallen hatte. Dort hatten sie zwar Eier f\u00fcr ein Omelette, aber weder Brot noch Gem\u00fcse. 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