{"id":529,"date":"2017-06-30T09:49:33","date_gmt":"2017-06-30T13:49:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/?p=529"},"modified":"2017-06-30T10:03:44","modified_gmt":"2017-06-30T14:03:44","slug":"bei-rolli-und-abel-in-cotorro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/2017\/06\/30\/bei-rolli-und-abel-in-cotorro\/","title":{"rendered":"Bei Rolli und Abel in Cotorro. Wolkenbruch in Matanzas"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment531\" style=\"width: 266px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4480.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment531\" loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4480.jpg\" alt=\"IMG_4480\" class=\"wp-image-531 size-full\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment531\" class=\"wp-caption-text\">Antonio Gonzales, his aunt and cousin, in Matanzas.<\/p><\/div>\n<p>Es ist mittlerweile Freitag, der neunzehnte Mai. Wir sind seit gestern in Matanzas, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Wir kamen gestern kurz nach Mittag mit dem Bus hier an. Ein junger dunkelh\u00e4utiger Mann mit <em>buckteeth <\/em>und Sonnenbrille sprach uns an, als wir aus dem Bus stiegen. \u201eAre you Lisa\u2019s friends?\u201c Ich sagte nein und begab mich auf die Suche nach unserem Gep\u00e4ck, drei Rucks\u00e4cken, die unter etlichen Koffern im Gep\u00e4ckraum des Busses (made in China) begraben waren. Nachdem wir sie endlich gefunden und herausgezogen hatten, entpuppte sich der junge Mann mit den hervorstehenden Z\u00e4hnen als Antonio. Er hatte die Namen verwechselt. Und wir hatten uns einen \u00e4lteren Menschen vorgestellt, nicht jemand Mitte Zwanzig. Er fand uns ein Taxi und fuhr mit zur Herberge, die er f\u00fcr uns gefunden hatte. Die <em>casa particular <\/em>von Manolo, in der wir urspr\u00fcnglich absteigen wollten, sei inzwischen schon besetzt gewesen. Als wir bei Louisa Carmen in der Altstadt (Calle 75) ankamen und die Rucks\u00e4cke vom Dach des kleinen Fahrzeugs holten bemerkte Miriam, dass am gro\u00dfen Rucksack der H\u00fcftg\u00fcrtel fehlte. Das war fr\u00fcher schon einmal passiert und bisher waren wir vorsichtig genug gewesen, ihn vor der Gep\u00e4ckabgabe abzunehmen und sicher zu verstauen. Diesmal hatten wir es vergessen. Miriam fuhr sofort mit Antonio und dem Taxi zur\u00fcck zum Busbahnhof. Der Bus war zwar schon abgefahren, aber die zuvor etwas ruppige Dame am Schalter erwies sich als hilfreich. Sie rief den Busfahrer an und riet Miriam sp\u00e4ter wieder vorbeizukommen, da der Bus entweder um drei, f\u00fcnf oder sieben wieder aus Varadero zur\u00fcck erwartet werde. Der G\u00fcrtel sei gefunden worden und sie k\u00f6nne ihn sich am Schalter abholen. Dies erz\u00e4hlte sie mir als sie von der Aufregung ersch\u00f6pft in die Herberge zur\u00fcckkam. Wir plauderten dann noch ein wenig mit Antonio und verabredeten uns f\u00fcr den n\u00e4chsten Morgen. Dann duschten wir uns und ruhten uns aus. Sp\u00e4ter rief Miriam bei der Bushaltestelle an und wir gingen schlie\u00dflich gegen sechs los, um den Sieben-Uhr Bus zu treffen. Wir schafften es auch. Der Bus fuhr ein. Der Fahrer h\u00e4ndigte uns den G\u00fcrtel aus und wir machten uns gl\u00fccklich und zufrieden auf den R\u00fcckweg. Wir hatten es nun nicht mehr so eilig. In einem Hauseingang bewunderte Miriam einen bunten hausgemachten Fu\u00dfabstreifer und machte ein Foto davon. Die junge Frau des Hauses wurde neugierig. Miriam fragte, wo diese originelle Handarbeit herkam und die Hausfrau verwies uns auf eine Nachbarin gegen\u00fcber. Wir sollten nur an die Haust\u00fcr klopfen. Anfangs gab es dort keine Reaktion aber die Dame gestikulierte, wir sollten st\u00e4rker klopfen, die sei schon da. So klopften wir noch einmal. Diesmal \u00f6ffnete eine \u00e4ltere untersetzte dunkelh\u00e4utige Frau mit hochgesteckten Haaren das Tor. Miriam fragte sie, ob sie noch solche Fu\u00dfabstreifer habe, wie wir sie gegen\u00fcber gesehen hatten. Sie meinte, sie habe keine auf Lager und wie viele wir denn wollten. Miriam sagte, nur einen. Sie meinte, bis Sonntag k\u00f6nne sie uns einen machen. Als Miriam ihr mitteilte, dass wir nur bis Samstag in der Stadt seien, meinte sie, sie k\u00f6nne auch bis Samstag einen Abstreifer f\u00fcr uns anfertigen. So kamen wir ins Gesch\u00e4ft und gingen vergn\u00fcgt weiter. An der n\u00e4chsten Cafeteria machten wir halt und bestellten einen Saft. Dann fing es ernsthaft an zu regnen.<\/p>\n<p>Der Regen verwandelte sich in einen Wolkenbruch. Nach kurzer Zeit war die Stra\u00dfe \u00fcberschwemmt. Fahrzeuge blieben stecken und wir beschlossen, auf unserer kleinen Insel das Ende dieses tropischen Wetterereignisses abzuwarten.<\/p>\n<p><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4363.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4363.jpg\" alt=\"IMG_4363\" class=\"alignleft size-full wp-image-534\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4365.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4365.jpg\" alt=\"IMG_4365\" class=\"alignleft size-medium wp-image-536\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4366.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4366.jpg\" alt=\"IMG_4366\" class=\"alignleft size-medium wp-image-537\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4368.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4368.jpg\" alt=\"IMG_4368\" class=\"alignleft size-medium wp-image-538\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4372.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4372.jpg\" alt=\"IMG_4372\" class=\"alignleft size-medium wp-image-541\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4374.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4374.jpg\" alt=\"IMG_4374\" class=\"alignleft size-medium wp-image-543\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach einer Weile kaufte ich eine kleine Flasche \u201eHavana Club\u201c, was die mit uns wartenden kubanischen M\u00e4nner (zwei junge und ein \u00e4lterer) am\u00fcsierte. Ich bot ihnen einen Schluck an, aber sie lehnten dankend ab. Miriam hielt mich f\u00fcr unm\u00f6glich. Aber der Sache fehlte es nicht an Humor. Wie vertreibt man sich sonst die Zeit auf der Arche Noah? Nach einer Weile h\u00f6rte es auf zu regnen. Das Flutwasser floss immer noch, aber wir zogen einfach die Sandalen aus und gingen barfu\u00df, wie andere Leute auch. So kamen wir wieder in unseren Stadtteil zur\u00fcck. Inzwischen war es sp\u00e4t geworden. Wir hatten am fr\u00fchen Nachmittag noch am Stadtplatz in der N\u00e4he von Louisa Carmens Herberge im San Severin etwas gegessen. Dort wollten wir nicht schon wieder hin, aber alles andere schien uns reizlos und Il Fettucine, das einzige andere uns empfohlene Restaurant war geschlossen. So begn\u00fcgten wir uns mit ein paar trockenen Br\u00f6tchen, die wir in einer B\u00e4ckerei erstanden. Zum Tagebuch Schreiben in der Herberge gab es noch etwas von der mitgebrachten Schokolade und Rum.<\/p>\n<p>Hier schalte ich vielleicht besser noch einen Nachtrag ein, bevor ich es vergesse. Am Mittwoch waren wir in Havanna von der Infanta aus mit einem <em>Collectivo <\/em>nach Cotorro gefahren um Rolando und Abel zu besuchen. Wir hatten die Adresse dieses K\u00fcnstler- und Lebenspaares von Tanya Abraham, deren Mutter Millie eng mit dem f\u00fcnfundsechzigj\u00e4hrigen \u201eRolli\u201c befreundet ist. Abel ist Mitte Vierzig. Cotorro ist eine Vorstadt von Havanna. Die H\u00e4user sind dort viel niedriger und es gibt B\u00e4ume und G\u00e4rten. Das Taxi setzte uns gegen\u00fcber der Polizeistation ab. Um zu Rolando und Abel zu gelangen, mussten wir eine Eisenbahntrasse \u00fcberqueren. Die Schwellen waren \u00fcberwuchert. Wie uns einer der drei etwas anr\u00fcchigen Mitfahrer im Taxi mitgeteilt hatte, sei man verlassen, wenn man sich auf die Z\u00fcge in Kuba verlie\u00df.<\/p>\n<p>Rolando und Abel\u2019s Haus ist eine kleine Oase. Die Inneneinrichtung geschmackvoll und zum Teil von Abel selbst gemacht oder wieder hergestellt, der Garten voll tropischer Bl\u00fcten und \u00fcppigem Gr\u00fcn. Sie teilen das Haus mit einer \u00fcber neunzigj\u00e4hrigen Tante, die bettl\u00e4gerig und pflegebed\u00fcrftig, geistig aber noch v\u00f6llig fit ist. Unser Besuch dehnte sich \u00fcber mehrere Stunden aus. Wir sprachen \u00fcber alles und nichts, vor allem aber \u00fcber das Leben in Kuba und \u00fcber die Arbeiten der beiden M\u00e4nner, die sich auf die Produktion von Papiermach\u00e9-Puppen und Dekorationen spezialisiert haben. Eine Nachbarin hilft bei der Herstellung der Kost\u00fcme. Die meisten Arbeiten entstehen im Auftrag von Hotels, tragen also zur staatlichen Tourismusindustrie bei. Daneben gibt es Auftr\u00e4ge aus Mexico und Handarbeitsausstellungen, bei denen die beiden in der Regel gut verkaufen. Nur in den Vereinigten Staaten gab es bislang Verlustgesch\u00e4fte, z. T. haupts\u00e4chlich aufgrund von Organisations- und Visaproblemen. Ein gro\u00dfer Teil ihres Inventars sitzt z. Zt. unverkauft in einem Lager in Florida bei Rolandos Schwester.<\/p>\n<p>Als Abel sich in der K\u00fcche zu schaffen machte, f\u00fchrte uns Rolando in seine Werkstatt und zeigte uns auf dem Computer Fotos von fertigen Arbeiten der beiden. Rollis Spezialit\u00e4t sind ber\u00fchmte Figuren wie Charlie Chaplin, Don Quixote und, f\u00fcr den mexikanischen Markt, Frieda Kahlo. Weshalb nicht auch Ikonen der kubanischen Revolution wie Fidel Castro oder Commandante Ch\u00e9, fragte ich naiv? Das sei politische Kunst, davon halten sie sich fern. Andererseits sehen manche eine \u00c4hnlichkeit zwischen Fidel und Rollis Don Quixote. Angefangen hat er mit diesen Figuren f\u00fcrs Puppentheater. Abel ist ausgebildeter T\u00e4nzer. Im Nachhinein fiel mir eine gewisse \u00c4hnlichkeit zwischen Rolli auf Bildern von fr\u00fcher, mit schwarzen Haaren, und seinem Chaplin auf.<\/p>\n<p><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4339.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4339.jpg\" alt=\"IMG_4339\" class=\"alignleft size-medium wp-image-546\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4342.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4342.jpg\" alt=\"IMG_4342\" class=\"alignleft size-medium wp-image-548\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4343.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4343.jpg\" alt=\"IMG_4343\" class=\"alignleft size-medium wp-image-549\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4344.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4344.jpg\" alt=\"IMG_4344\" class=\"alignleft size-medium wp-image-550\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4345.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4345.jpg\" alt=\"IMG_4345\" class=\"alignleft size-medium wp-image-551\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4347.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4347.jpg\" alt=\"IMG_4347\" class=\"alignleft size-medium wp-image-553\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4348.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4348.jpg\" alt=\"IMG_4348\" class=\"alignleft size-medium wp-image-554\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4349.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4349.jpg\" alt=\"IMG_4349\" class=\"alignleft size-medium wp-image-555\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4350.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/06\/IMG_4350.jpg\" alt=\"IMG_4350\" class=\"alignleft size-medium wp-image-556\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a><\/p>\n<p>Miriam wollte wissen, was f\u00fcr Material wir f\u00fcr sie aus den USA besorgen k\u00f6nnten. Was ihnen vor allem fehlt ist der Lack, den man auf dem Markt z. Zt. nicht finde und der als brennbares Material nicht eingef\u00fchrt werden d\u00fcrfe. Sie beklagten sich aber nicht. Sie erkl\u00e4rten nur.<\/p>\n<p>Wir a\u00dfen gemeinsam ein sp\u00e4tes Mittagessen. Reis mit Huhn, gr\u00fcne Bohnen und Salat. Abel gab uns sein Geheimrezept f\u00fcr die typisch kubanischen schwarzen Bohnen (<em>moros<\/em>). Es war uns etwas peinlich hier zu essen, nachdem wir soviel \u00fcber die schlechte Versorgungslage und den oft absurden Mangel an Grundnahrungsmitteln wie z. B. Kartoffeln geh\u00f6rt hatten. Wie zur Begr\u00fc\u00dfung gab es zum Abschied noch einmal einen Kaffee. An der Bushaltestelle in der N\u00e4he der Polizeistation fanden wir ein <em>collectivo<\/em> zur\u00fcck nach La Habana. Diesmal war es ein Jeep.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist mittlerweile Freitag, der neunzehnte Mai. 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