{"id":560,"date":"2017-07-01T23:03:30","date_gmt":"2017-07-02T03:03:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/?p=560"},"modified":"2017-07-01T23:03:30","modified_gmt":"2017-07-02T03:03:30","slug":"samstag-20-mai-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.bu.edu\/mzank\/2017\/07\/01\/samstag-20-mai-2017\/","title":{"rendered":"Samstag, 20. Mai 2017"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor der Weiterfahrt nach Santa Clara. Der Bus f\u00e4hrt um sieben Uhr abends ab. Jetzt ist es halb sechs. Antonio will uns ein Taxi besorgen. Zum Laufen haben wir zu viel Gep\u00e4ck. Es gibt schon wieder viel nachzutragen. Die Zeit hier war voll kleiner Erlebnisse und Begegnungen.<\/p>\n<p>Der tropische Regen kam gestern wieder und es war wieder ein Ereignis. Diesmal \u00fcberraschte er uns in der Galeria Taller auf der \u00c1lvarez Stra\u00dfe am Nordufer des San Juan Flusses, nicht weit von einer Musikhochschule, einer Druckerei und dem Feuerwehrmuseum. Man erkennt die Werkstatt an einer Gruppe von \u00fcberlebensgro\u00dfen Skulpturen, die gleich gegen\u00fcber am Ufer entlang die Promenade zieren.<\/p>\n<p><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4441.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4441.jpg\" alt=\"IMG_4441\" class=\"alignleft size-full wp-image-562\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4442.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4442.jpg\" alt=\"IMG_4442\" class=\"alignleft size-medium wp-image-563\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4443.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4443.jpg\" alt=\"IMG_4443\" class=\"alignleft size-medium wp-image-564\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4444.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4444.jpg\" alt=\"IMG_4444\" class=\"alignleft size-medium wp-image-565\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4445.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4445.jpg\" alt=\"IMG_4445\" class=\"alignleft size-medium wp-image-566\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf die Keramikwerkstatt und auf Manuel, einen ihrer Gr\u00fcnder, hatte uns wiederum Tanya Abraham aufmerksam gemacht, die mit Manuel seit ihrer Kindheit bekannt ist. Manuel war fr\u00fcher ein erfolgreicher Regimekarikaturist. Heute lebt er von Keramik.<\/p>\n<div id=\"attachment568\" style=\"width: 266px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4450.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment568\" loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4450.jpg\" alt=\"Der ehemalige Karikaturist Manuel zeigt Miriam seine selbstgemachten Pinsel.\" class=\"size-full wp-image-568\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment568\" class=\"wp-caption-text\">Der ehemalige Karikaturist Manuel zeigt Miriam seine selbstgemachten Pinsel.<\/p><\/div>\n<p>Die Werkstatt ist vor allem den Bem\u00fchungen des Bildhauers Osmany Betancourt Falc\u00f3n, besser bekannt als \u201eLolo\u201c, zu verdanken, der nach und nach das Geb\u00e4ude, in dem sie arbeiten, ausbilden und ausstellen, ausgebaut hat. Wir konnten uns von der abenteuerlichen Blechdachkonstruktion ein eigenes Bild machen, als der tropische Nachmittagsregen wieder losbrach. Wir waren gerade dabei, unsere ersten keramischen Gehversuche zu unternehmen. Trotz des hier und dort heruntertropfenden Regens unterbrachen weder die Meister noch ihre Sch\u00fcler die Arbeit. Unsere Unterhaltung pl\u00e4tscherte munter weiter. Irgendwann h\u00f6rte es wieder auf und wir setzten unsere Runde fort.<\/p>\n<div id=\"attachment569\" style=\"width: 266px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4470.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment569\" loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4470.jpg\" alt=\"Lolo Betancour und seine Kollegen auf einem &quot;Narrenschiff.&quot;\" class=\"wp-image-569 size-full\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment569\" class=\"wp-caption-text\">Lolo Betancourt und seine Kollegen auf einem &#8220;Narrenschiff.&#8221;<\/p><\/div>\n<p><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4471.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4471.jpg\" alt=\"IMG_4471\" class=\"alignleft size-medium wp-image-570\" width=\"256\" height=\"192\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Vormittag hatte uns Antonio in der Herberge abgeholt. Urspr\u00fcnglich sollte es eine Probe seiner Musikgruppe geben, die eine Tanzvorstellung des Balletts begleitet, mit dem er regelm\u00e4\u00dfig arbeitet. Das Programm war inzwischen kurzfristig ge\u00e4ndert worden. Seine Gruppe spielte nicht, aber das Ballett tanzte zwei St\u00fccke f\u00fcr eine Gruppe von Kirchenleuten aus Kanada. Ziel ihrer Reise war es, Gruppen zu unterst\u00fctzen, die sich f\u00fcr LGBTQ Menschen engagieren. Das erste St\u00fcck war konventionell, eine typisch zeitgen\u00f6ssische Choreographie zum Thema Kommunikation. Ich fand es kompetent und sch\u00f6n. Miriam war weniger \u00fcberzeugt. Neben mir sa\u00df\u00a0eine kleingewachsene Dame, Kubanerin, von der ich zuvor bemerkt hatte, dass sie der \u00dcbersetzerin kritisch zugeh\u00f6rt hatte, als diese dem Publikum das Konzept der bekannten Choreographin erkl\u00e4rte. Ich fragte sie nun, wie sie das St\u00fcck fand. Sie sagte, \u201eI love dance. But please don&#8217;t ask me that.\u201c Mit anderen Worten: Frag mich blo\u00df nicht. Sp\u00e4ter sprachen wir noch eine Weile. Die Dame arbeitet als Reisefachfrau in Havanna und sie hatte diese Gruppenreise organisiert. Wir sollten uns gerne mit ihr in Verbindung setzen, wenn wir wieder dort sind.<\/p>\n<p>Das zweite St\u00fcck stellte spielerisch die Erfahrung der Truppe auf einer Frankreichreise dar. Es hatte viel Humor und verband Elemente von sprachlichem und mimischem Witz mit kritischen Beobachtungen, vor allem zur sexuellen Objektivierung des jungen dunkelh\u00e4utigen Mannes aus Sicht westlicher, hellh\u00e4utiger Frauen.\u00a0 <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4426.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4426.jpg\" alt=\"IMG_4426\" class=\"alignleft size-full wp-image-571\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4427.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4427.jpg\" alt=\"IMG_4427\" class=\"alignleft size-medium wp-image-572\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4430.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4430.jpg\" alt=\"IMG_4430\" class=\"alignleft size-medium wp-image-575\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4431.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4431.jpg\" alt=\"IMG_4431\" class=\"alignleft size-medium wp-image-576\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a> <a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4432.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4432.jpg\" alt=\"IMG_4432\" class=\"alignleft size-medium wp-image-577\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine politische Pointe gab es auch. Anfangs, aus Kuba ankommend, trugen die T\u00e4nzer Binden \u00fcber den Augen, wie man sie auf Reisen gebraucht, um ungest\u00f6rt schlafen zu k\u00f6nnen. Am Ende, die R\u00fcckreise darstellend, trugen sie Sonnenbrillen. In beiden F\u00e4llen waren sie blind und hilflos auf einander angewiesen. Au\u00dfergew\u00f6hnlich auch, dass in diesem Fall die Choreographin, eine beleibte Dame um die Sechzig, selbst eine Hauptrolle tanzte. Von Marc Morris und Bill T. Jones ist man das gew\u00f6hnt. Von Frauen fortgeschrittenen Alters weniger.<\/p>\n<p>Den H\u00f6hepunkt der beiden Tage in Matanzas bildeten die Perkussionsstunden mit Antonio und dessen Cousin Yasmino im Hause seiner Mutter, Sra. Ana. Diese war, wie wir erst beim Abschied erfuhren, Mitglied des weltber\u00fchmten und Grammy-preisgekr\u00f6nten Ensembles Los Mu\u00f1equitos de Matanzas. Erst gestern erhielt sie erneut eine Auszeichnung vom kubanischen Staat. Das Haus der Dame ist reichhaltig mit Heiligenfiguren, Alt\u00e4ren und Symbolen der Santeria ausgestattet. Antonio und sein Cousin sind Babalaos, Priester der Santeria. Die Bata Trommeln sind heilige Instrumente. Die Rhythmen rufen nicht nur bestimmte G\u00f6tter an sondern erzeugen Chango. Die Trommeln sind sein Kopf (Iya), seine Arme (Itotele), und sein K\u00f6rper (Ommele) und die genau festgelegten Klangmuster fl\u00f6\u00dfen ihm das Leben ein. Musik als theurgische Magie. Gestern hatte ich meine erste Stunde. Heute morgen die zweite und einstweilen letzte.<\/p>\n<div id=\"attachment580\" style=\"width: 202px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4478.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment580\" loading=\"lazy\" src=\"\/mzank\/files\/2017\/07\/IMG_4478.jpg\" alt=\"Sra. Ana mit ihrem Grammy.\" class=\"size-full wp-image-580\" width=\"192\" height=\"256\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment580\" class=\"wp-caption-text\">Sra. Ana mit ihrem Grammy.<\/p><\/div>\n<p>Unser erstes Treffen dauerte ungef\u00e4hr neunzig Minuten, aber ich hatte kein Gef\u00fchl vom Verlauf der Zeit. Antonio begann mit einer allgemeinen Einleitung in die Mythologie der Yoruba-Religion, die G\u00f6tter Westafrikas und deren Beziehung zur antiken Mythologie und der Welt der katholischen Heiligenfiguren mit denen die Orishas identifiziert werden. Die komplizierten Polyrhythmen pr\u00e4gen sich nicht leicht ein. Bis zum Abend hatte ich alles wieder vergessen. Am n\u00e4chsten Morgen fiel mir das eine oder andere wieder ein und ich kam mir bei der zweiten Stunde nicht mehr ganz so dumm vor.<\/p>\n<p>Antonio, der sich bis zu unserer Abreise sehr um uns k\u00fcmmerte, gab uns eine Empfehlung an seinen Lehrer in Santiago mit. Dort soll mein Unterricht in <em>foundation drumming <\/em>weitergehen. Zun\u00e4chst aber geht es nach Santa Clara, zum Verschnaufen, Innehalten, <em>to catch our breaths<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor der Weiterfahrt nach Santa Clara. Der Bus f\u00e4hrt um sieben Uhr abends ab. Jetzt ist es halb sechs. Antonio will uns ein Taxi besorgen. Zum Laufen haben wir zu viel Gep\u00e4ck. Es gibt schon wieder viel nachzutragen. Die Zeit hier war voll kleiner Erlebnisse und Begegnungen. 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